Gedanken zur Selbstverteidigunspistole

Discussion in 'The latest one!' started by Flachs, May 11, 2018.

  1. Flachs

    Flachs New Member

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    Ich bin seit Jahren Fan von Jörg und seinen Videos, schon weitaus länger als ich hier gemeldet bin.
    Ich fand immer ziemlich großartig, was er gemacht hat.

    Die Situation, die sich seit der Demonetarisierung mancher Videos ergeben hat, hat mich sehr geärgert, da ich ihn immer als "liebenswert wahnsinnig" wahrgenommen habe. Nicht böse gemeint, nur in Bezug auf das Safety-T-shirt, "we always double up" usw.
    Ich hoffe, die Gewerkschaft "Youtubers Union" wird ein voller Erfolg und bringt wieder die alten Verdienstmöglichkeiten zurück.

    In der Zwischenzeit bin ich froh, dass es mit goguns noch eine Möglichkeit ergab, eine weitere sinnvolle und artverwandte Einnahmequelle zu eröffnen. Produkte, die Jörg empfiehlt, würde ich bedenkenlos kaufen (mit ausnahme der Handygames vielleicht :D). Und ich freue mich natürlich riesig, dass es dadurch weiterhin regelmäßig neue Videos gibt.

    Ich fand auch die 1000 Joule Kanone einfach fantastisch, da sie ein Einzelstück ist und Jörg damit nur sich selbst gefährden würde. Als Fingerzeig, wie die Gesetzeslage ein derartiges Projekt als Spielzeug einstuft, war es darüber hinaus ziemlich verblüffend.

    Das neueste Projekt, die "Selbstverteidigunspistole", finde ich aber enorm bedenklich. Ich verstehe, dass es marktwirtschaftlich sinnvoll ist, als Erster in diese Lücke zu stoßen und dort ein durchdachtes Produkt anzubieten. Ich habe aber ein großes Problem damit, eine unregulierte tödliche Schusswaffe in Deutschland zu verkaufen. Ich bin froh, dass wir ein Waffengesetz haben, das nicht wie in den USA gestaltet ist. Ich sehe auch, dass es manchmal nicht logisch ist, ich nehme mal willkürlich "Butterfly-Messer", die sicher nicht gefährlicher sind als Klappmesser.
    Ich weiß auch, dass Messer in vielen Fällen gefährlicher sind als Schusswaffen. Aber die Situation bei Schusswaffen ist nun einmal insofern speziell, als dass weder Kraft, noch Geschick, noch Vorbereitung (spannen o.ä.) oder körperliche Nähe zum Betroffenen notwendig ist. Und abgesehen davon braucht meines Erachtens niemand im Alltag/Privatleben Schusswaffen zu tragen, wohingegen ein Leben ohne Messer schon beim Frühstücksbrot Schwierigkeiten bereitet. Wer es dennoch möchte, sollte zumindest gewisse Auflagen erfüllen (Waffenschein, sichere Aufbewahrung usw.)

    Ansonsten kann ich nur hoffen, dass die Gesetzeslage abgeändert wird, zur Not auch für die FX Airguns Produkte. Wenn der Gesetzgeber Armbrüste reguliert, sollte ein in der Handhabung und Wirkung praktisch identisches Produkt genauso behandelt werden.

    Eine hohe Hürde für Besitz und Führen tödlicher Schusswaffen ist eine Angelegenheit, die meines Erachtens für uns alle einen hohen Stellenwert besitzen sollte.
    Mit der Selbstverteidigungspistole wird dies jedoch komplett umgangen. Und mit Angeboten wie Leuchtfarben, um die Führbarkeit noch zu erleichtern / wahrscheinlicher zu machen, wird noch der Effekt verstärkt. Gut für den potenziellen Kunden. Aber wer wird dieser Kunde sein?

    Wie seht ihr das? Ist Selbstverteidigung in Deutschland so wichtig und schwierig, dass wir das brauchen? Oder findet ihr es auch moralisch bedenklich?

    Ich hoffe auf einen regen Austausch, und vielleicht auch darauf, dass es bei Jörg Gehör findet, falls mir Leute zustimmen.

    Mir hat das Video wirklich weh getan, und auch, diese Zeilen hier zu schreiben, weil ich, wie ich eingangs klarstellen wollte, ein großer Fan bin.

    Schöne Grüße,
    Flachs

    Edit: Wenn ich das im falschen Bereich gepostet habe, bitte verschieben!
     
  2. JoergS

    JoergS Administrator

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    Naja, in einem Land, in dem der Innenminister wörtlich betont, er könne für die Sicherheit der Bürger nicht mehr garantieren, muss Selbstverteidigung mit allen legalen Mitteln legitim sein. In Zweifelsfall helfe ich lieber den ehrbaren Menschen, die den "Airringer" tragen wollen um sich zu schützen, als den Gaunern, denen es lieber ist wenn alle anderen unbewaffnet sind.

    Der "Airringer" ist eine Selbstverteidigungswaffe, aber für Kriminelle unbrauchbar. Zwei Schuss ist für Straftaten zu wenig. Deshalb tauchen doppelläufige Schrotgewehre in der Kriminalstatistik (außer bei Selbstmorden) kaum auf, was auch der Grund für den freien Verkauf in Ländern wie Österreich ist.

    Ich halte mich an Gesetze (kläre die "Airringer" Legalität derzeit mit dem BKA ab). Aus der Politik halte ich mich heraus.
     
    NyamNyam and martiniLE like this.

  3. martiniLE

    martiniLE New Member

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    Lass dich nicht beirren Jörg, ein kleiner Spaziergang durch meine Nachbarschaft würde auch jeden Zweifler wie Flachs zum umdenken bewegen.
     
  4. Flachs

    Flachs New Member

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    Hm. Ich sehe das wirklich völlig anders und bin von der Antwort überrascht. Ich schätze Dich als jemanden ein, der eine andere Meinung durchaus ertragen kann, Jörg, daher gehe ich trotzdem noch einmal darauf ein.



    Man kann es sich in vielen Dingen sehr leicht machen, aber einfache Antworten auf komplizierte Situationen sind selten richtig.

    Auch Handlungen, die man selbst nicht poltitisch motiviert trifft, können trotzdem politische und gesellschaftliche Auswirkungen haben. Davor die Augen zu verschließen halte ich für moralisch mehr als fragwürdig.

    Und das Ausnutzen von Gesetzeslücken ist genau wie das von Steuerlücken zwar vielleicht gesetzeskonform, aber echt nicht cool.



    Die Argumentation „wenn die Richtigen bewaffnet sind, wird alles gut“ klappt in Amerika hervorragend. Wollen wir das auch? Dann bin ich raus aus der Nummer.



    Man kann den Leuten nur vor den Kopf gucken, da kann ich es nicht begrüßen, weniger reglementierte Waffen unter das Volk zu bringen. Wer wirklich meint, sich mit Waffengewalt verteidigen zu müssen, kann das ja problemlos tun, egal wie viele hosenlose Zombies in seiner Nachbarschaft wohnen. Wenn er den Kopf halbwegs gerade montiert hat und strafrechtlich nicht auffällig geworden ist, ist das kein großes Problem. Aber so viel Aufwand sollte schon notwendig sein. Man muss es demjenigen, der diese Anforderungen nicht erfüllt, nicht einfacher machen.



    Der Satz über die innere Sicherheit betraf Terror. Terror kann man nicht verhindern, egal wie viel man überwacht, und schon gar nicht mit Bewaffnung der Zivilbevölkerung.

    Es gibt Parteien, die Terror als Anlass nehmen um mehr Überwachung durchzusetzen, was nicht gegen den Terror hilft, sondern gegen die Bevölkerung selbst. DDR, ick hör‘ dir trapsen…

    Es gibt auch Parteien, die die Terrorgefahr benutzen und auch derartige Sätze des Innenministers umdeuten, um gegen Flüchtlinge zu hetzen. Da kommen wir dann in ein ganz unangenehmes Themengebiet. Ich habe eh schon zu viel gesagt.



    Schöne Grüße,

    Dominik
     
  5. Knallfrosch

    Knallfrosch Senior Member

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    Jörg hat in einem seiner früheren Videos den Selbstverteidigungsparagraphen ziemlich gut erklärt und klargestellt, dass die Grenze zwischen Selbstverteidigung und Totschlag
    hauchdünn sein kann.
    Ich sehe das aber trotzdem ganz genau wie Jörg. Die Kriminellen in unserem Land sind schon seit jeher viel besser und umfassender bewaffnet als die Zivilbevölkerung.
    Daran werden weder Zwillen, noch Airringer oder anderere legalen Waffen etwas ändern.
    Allerdings hat sich die Sicherheitslage in diesem Land dahingehend verändert, dass die Polizei die Bürger bei den alltäglichen Straftaten nicht mehr beschützen kann.
    Hier geht es nicht nur um Terror. Wer die Nachrichten aufmerksam verfolgt, wird feststellen, dass es ein massives Sicherheitsdefizit gibt, welches die Polizei schlicht nicht füllen kann und unsere Politik scheinbar auch nicht füllen will.
    Da ich aber keine Lust habe darauf zu warten, wann es mich trifft,
    (weil Deutschland zu einer Art Selbstbedienungsladen für allerlei Kriminelle geworden ist) befürworte ich die legale Aufrüstung der Zivilbevölkerung und kann nur hoffen, dass es keinerlei Änderung der Gesetzeslage gibt.
    Ich will nicht in meinen eigenen 4 Wänden sitzen müssen und jeden Abend eine Kerze ins Fenster stellen und beten, dass die Kriminellen doch jemand anderen heimsuchen mögen.
    So denken hilflose Schafe. Wer bei mir unbefugt die Nase reinhält hat nichts zu lachen.:cool:
    Und ich bin mir sicher, dass ist bei Jörg nicht anders.;)
     
    Last edited: May 14, 2018
  6. JoergS

    JoergS Administrator

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    Aber natürlich kann ich eine andere Meinung ertragen. Kam meine Antwort aggressiv rüber? Keine Absicht.

    Amerikanische Verhältnisse (man muss sich bewaffnen, weil man ansonsten der einzige Unbewaffnete ist) will ich sicher nicht in Deutschland. Aber auch keine britischen (wer sich selbst verteidigt geht sofort in den Knast).

    Ich bin der Meinung, dass jeder ehrbare Bürger das Recht haben sollte, effektive Selbstverteidigungswaffen zu besitzen. Ohne dabei heucheln zu müssen, demnächst Olympiasieger im Sportschießen werden oder den deutschen Wald von seinem Wild befreien zu wollen.

    Eine Reglementierung (= Bedürfnisnachweis) sehe ich NUR für Waffen, die für Straftaten besonders gut geeignet sind. Dies sind vor allem kleinkalibrige, leichte Waffen mit hoher Magazinkapazität.

    Ganz klassisch die doppelläufige Schrotflinte: Als Heimverteidigungswaffe ziemlich gut geeignet, es gibt sogar "less lethal" Mun. Für Amokläufe ist sie aber eher ungeeignet. Hier sollte ein sauberes Strafregister und ein Sachkundenachweis als Voraussetzung für eine WBK ausreichen.

    Genauso steht es mit dem "Airringer". Das Drohpotential bleibt hinter dem einer Gaspistole oder Softair, und durch die geringe Schußzahl sowie die begrenzte Reichweite ist sie keine gute Wahl für Kriminelle.

    Ich empfinde es als eine Farce, gesetzestreue Bürger immer weiter zu entwaffnen, während Kriminelle es immer leichter haben sich effektive (illegale) Schusswaffen zu besorgen. Geschätzt über 100 Millionen unregistrierte Feuerwaffen sind im Land, und nun gibt es perfekte Handelsplattformen dafür (im Darknet zum Beispiel).
     
    Last edited: May 15, 2018